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Rationales ärztliches Handeln in der Allgemeinmedizin zwischen Evidenz-basierter Medizin, Compliance und Placebophänomenen
  
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Symposion

Placebophänomenologie und Folgerungen für die allgemeinmedizinische Forschung
  

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den bisherigen Ergebnissen des Projektes "Das Placeboproblem und die therapeutische Wirksamkeit unter besonderer Berücksichtigung der Allgemeinmedizin"?

  1. Man könnte die Durchdringung des Placeboproblems in der allgemeinärztlichen Praxis überzeugend nutzen, um die therapeutischen Wirkungen unabhängig von den jeweiligen, sich als spezifisch begreifenden medizinischen Methoden zu optimieren, Compliance-Störungen als Nocebophänomene zu verstehen und zu beseitigen versuchen.
  2. Man könnte dieses Verfahren der Visualisierung der objektiven, subjektiven und placebophänomenologischen Aspekte der therapeutischen Wirkung nutzen als Darstellungs- und Nachweiskonzept der Prozeß- und Ergebnisqualität in der Praxis. Rückkoppelnd sind sogar Korrekturen i.S. der Strukturqualität möglich.
  3. Man könnte mit diesen Konzepten während der Alltagsarbeit am kranken Menschen forschungsrelevante Daten erheben und sich als niedergelassener Arzt an qualifizierter allgemeinmedizinischer Forschung beteiligen.

Dafür stehen uns 3 Instrumente zur Verfügung:

  1. Die Visualisierung objektiver Daten auf der Grundlage medizinischer Begutachtung.
  2. Die Visualisierung der Krankheits- und Leidenssicht mit subjektiver Bedeutungseinschätzung aus Sicht des Patienten sowie
  3. die Visualisierung der zwischen Therapeut und Patient "ausgehandelten" "Integrierten Placebo-/Noceboprinzip"-Einschätzung.

Über die ersten 2 Verfahren bestehen hier in der Eggeland-Klinik Bad Driburg über mehrere Jahre bei mehr als fünftausend Patienten hinreichend sichere Erfahrungen, daß durch diese Zugangsweise und Strukturierung der im Prinzip immer anfallenden Daten wesentliche Verbesserungen der Qualität medizinischen Handels erreicht werden konnten, von einer nachvollziehbaren positiven Beeinflussung der Strukturqualität über eine rationale und nachvollziehbare Optimierung und Darstellung der Prozeßqualität und Ergebnisqualität [34;35].

Die Ergebnisqualität als Synonym für therapeutische Wirkung ist stark von Faktoren abhängig, die sich aus der Arzt-Patient-Beziehung, aus der Biographie des Patienten, aus seinen Einschätzungen, Erwartungen, Attributionen usw. ergeben, also von der Placebo-Phänomenologie.

Der hier vorgestellte Ansatz über diese 3 Verfahrensschritte bietet gegenüber klassischen Forschungsansätzen außerhalb der Alltagspraxis noch weitere Vorteile, nämlich im Vollzug kann sich der/die Arzt/Ärztin in seiner/ihrer Alltagsarbeit unmittelbar an relevanter, allgemeinmedizinischer Forschung beteiligen. Sie fällt gewissermaßen "nebenbei" ab, indem die anfallenden, beobachteten Wirkungsänderungen auf konkrete Interventionen im Einzelfall hin geprüft werden können. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um z. B. die Vorteile einer Einzelfallstudientechnik in der Praxis wirklich nutzen zu können.

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