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Introduction

Editors:
Friedemann Pfäfflin,
Ulm University, Germany
 

Walter O. Bockting,
University of Minnesota, USA
 

Eli Coleman,
University of Minnesota, USA
 

Richard Ekins,
University of Ulster at Coleraine, UK
 

Dave King,
University of Liverpool, UK

Managing Editor:
Noelle N Gray,
University of Minnesota, USA

Editorial Assistant:
Erin Pellett,
University of Minnesota, USA

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Symposion Publishing

  
ISSN 1434-4599



Volume 2, Number 4, October - December 1998



  

Deutsche Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen

Standards der Diagnostik und Differentialdiagnostik

Bei der Interpretation der Angaben des Patienten ist zu beachten, daß das Anstreben einer "Geschlechtsumwandlung" eine Lösungsschablone für verschiedenartige Probleme der Identität und/oder Geschlechtsidentität sein kann. Ergibt der diagnostische Prozeß, daß die Diagnose Transsexualität im Sinne der Standards nicht vorliegt, sind die "Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen" nicht anwendbar.
   

Standards der Diagnostik

Für die Diagnose der Transsexualität müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • eine tiefgreifende und dauerhafte gegengeschlechtliche Identifikation;
  • ein anhaltendes Unbehagen hinsichtlich der biologischen Geschlechtszugehörigkeit bzw. ein Gefühl der Inadäquatheit in der entsprechenden Geschlechtsrolle;
  • ein klinisch relevanter Leidensdruck und/oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen.

Diese Kriterien entsprechen weitestgehend jenen, die in den international gebräuchlichen Klassifikationssystemen der Krankheiten (DSM-IV, ICD-10) genannt werden. Im Unterschied zu diesen Klassifikationssystemen wird jedoch ein intersexuelles Syndrom nicht zwingend als Ausschlußkriterium betrachtet. Allerdings sollte in derartigen Fällen geprüft werden, ob anstelle des Transsexuellengesetzes (TSG) die Regelung des § 47 Personenstandsgesetz ("Irrtümliche Geschlechtsfeststellung zum Zeitpunkt der Geburt") anzuwenden ist.
Die genannten Kriterien verlangen folgende diagnostische Maßnahmen:

  • eine Erhebung der biographischen Anamnese mit den Schwerpunkten Geschlechtsidentitätsentwicklung, psychosexuelle Entwicklung (einschließlich der sexuellen Orientierung), gegenwärtige Lebenssituation;
  • eine körperliche Untersuchung mit Erhebung des gynäkologischen bzw. andrologischen/urologischen sowie endokrinologischen Befundes;
  • eine klinisch-psychiatrische/psychologische Diagnostik, da viele Patienten mit Störungen der Geschlechtsidentität erhebliche psychopathologische Auffälligkeiten aufweisen. Diese können der Geschlechtsidentitätsstörung vorausgegangen oder reaktiv sein oder gleichzeitig bestehen.

Die klinisch-psychiatrische/psychologische Diagnostik soll breit angelegt sein. Untersucht und beurteilt werden sollen:

  • das Strukturniveau der Persönlichkeit und deren Defizite;
  • das psychosoziale Funktionsniveau;
  • neurotische Dispositionen bzw. Konflikte;
  • Abhängigkeiten / Süchte;
  • suizidale Tendenzen und selbstbeschädigendes Verhalten;
  • Paraphilien/Perversionen;
  • psychotische Erkrankungen;
  • hirnorganische Störungen;
  • Minderbegabungen.
      

Standards der Differentialdiagnostik

Im Bereich der Geschlechtsidentitätsstörungen besteht eine ausgeprägte Vielfalt an Verlaufsformen, Persönlichkeitsstrukturen, assoziierten psychosozialen Merkmalen und sexuellen Partnerpräferenzen, die eine präzise Differentialdiagnostik erforderlich machen.
Folgende Differentialdiagnosen sind zu beachten:

  • Unbehagen, Schwierigkeiten oder Nicht-Konformität mit den gängigen Geschlechtsrollenerwartungen, ohne daß es dabei zu einer überdauernden und profunden Störung der geschlechtlichen Identität gekommen ist;
  • partielle oder passagere Störungen der Geschlechtsidentität, etwa bei Adoleszenzkrisen;
  • Transvestitismus und fetischistischer Transvestitismus, bei denen es in krisenhaften Verfassungen zu einem Geschlechtsumwandlungswunsch kommen kann;
  • Schwierigkeiten mit der geschlechtlichen Identität, die aus der Ablehnung einer homosexuellen Orientierung resultieren;
  • eine psychotische Verkennung der geschlechtlichen Identität;
  • schwere Persönlichkeitsstörungen mit Auswirkung auf die Geschlechtsidentität.
      
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